mz-web.de - Im Laufschritt durch das Selketal
Donnerstag, 14. August 2008
Auf drei 2,5 Kilometer langen Abschnitten des Selketal-Stieges gab es im Rahmenprogramm Jedermann-Läufe für Kinder und alle, die Lust am Laufen haben. Im Gernröder Hagental waren es allerdings ferienbedingt nur 20 Starter, die trotzdem viel Spaß an der Bewegung hatten. Am schnellsten waren hier Max und Juliane Vogel (nicht im Bild). Für alle Kinder gab es Urkunden und Medaillen. (MZ-Foto: Detlef Anders)
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Quedlinburg/MZ. Nebelschwaden ziehen in der Morgensonne über den Stieger See. Gemütlich joggen ein paar Läufer zur Touristinformation, um sich bei Jürgen Sandt Startnummern abzuholen. Der Organisationschef des Ottonenlaufes hakt die Namen ab. Aus ganz Deutschland sind die Läufer gekommen, die den in diesem etwas verlängerten Supermarathon mit rund 68 Kilometern Länge absolvieren wollen. Auch einige Quedlinburger sind am Start. “Schön, dass es nicht so heiß ist”, meint Lydia Langer, die nach dem langen Rennsteig-Marathon und zwei 24-Stunden-Läufen ihr viertes Extremsport-Highlight in diesem Jahr mitmacht. Sie will vor allem gut ankommen und sich an der Landschaft erfreuen.
Auch Gerhard Sonntag, ein Neu-Quedlinburger, will in erster Linie Spaß haben. “Ich bin im Moment gut zu Fuß”, denkt der aus Nachterstedt stammende Läufer, der schon einmal den New-York-Marathon mitgelaufen ist. “Ich finde es gut, dass es in der Region einen Ultramarathon gibt”, lobt Andreas Fuhrmann aus Ballenstedt vor seinem vierten Supermarathon und schaut sich mit anderen noch einmal den Streckenverlauf an. Willi Christmann aus Hettstedt ist mit fast 73 Jahren der Älteste auf der langen Strecke. In seinem Leben hat der frühere Physik-Dozent schon über 100 Läufe mitgemacht und so ist er auch gut aufgelegt, als Stieges Bürgermeister Rolf König, als Teufel verkleidet, gemeinsam mit DAK-Landeschef Herbert Mrozek und Jürgen Sandt den Start freigibt.
“Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten”, erklärt Hauptsponsor Mrozek und hofft auf eine Initialzündung, um viele Menschen zu bewegen. Leider haben einige Stunden später die Jedermann-Läufe noch nicht die erhoffte Resonanz. In Gernrode gehen 20 Kinder und Erwachsene auf die Zwei-Kilometer-Distanz nach Bad Suderode. Gernrodes Vize-Sportvereinschef Werner Grundmann vermutet die Ferien als Ursache für die geringe Teilnehmerzahl. “Ich habe einfach Spaß daran, zu laufen”, sagt Moritz Conrad aus Bad Suderode.
Während die 54 “Ultras” schon drei Stunden auf der Strecke sind, gehen um zehn Uhr in Alexisbad 32 Marathon-Läufer und in Meisdorf 82 Halbmarathon-Läufer auf den Weg nach Quedlinburg. In Alexisbad freut sich Hotelier Erich Wiemann darüber, dass mit dem Ottonenlauf das Selketal bekannter wird. “Der Lauf hat einen Synergieeffekt, nicht nur für den Gesundheitssport, sondern für den gesamten Tourismusbereich.” Harzgerodes Bürgermeister Horst Schöne hofft, dass sich niemand verläuft: “Wir haben an allen neuralgischen Punkten Posten aufgestellt.” Die Feuerwehr übernimmt an den Straßenquerungen die Absicherung.
Am Bad Suderöder Markt regelt gegen zwölf Uhr Wehrleiter Andreas Schwab den Verkehr, wenn die Läufer einen der vielen Verpflegungspunkte ansteuern. Jeder Läufer wird von dem rührigen Organisationsteam um Hermann Klaschka mit Namen begrüßt, ein großes Hallo gibt es für Lokalmatador Karl-Heinz Buchholz. Nora Klemm sowie Ute und Helga Müller in Harzer Trachten überreichen Apfelstücken und Becher mit Wasser. Sieben Kilometer vor dem Ziel wird die Verpflegung gern angenommen. Während die meisten gleich weiterhasten, nehmen sich manche Zeit für einen Schwatz. “Wir haben den Harz kennengelernt”, meint Marga Curth aus Eisleben. Sie ist um 8 Uhr mit ihrer Amtskollegin aus Quedlinburg, Gisela Budzinski, Verwaltungschefin des Nordharzer Städtebundtheaters, in Meisdorf zur Wanderung aufgebrochen: “Man muss nicht in die Alpen fahren und über Schotterpisten rennen, man kann einfach durch den Harz wandern.”
Von Pontius zu Pilatus
Beeindruckt ist auch Henning Rühe, der Präsident des Kreissportbundes, der in Bad Suderode zuschaut: “Das muss einfach erhalten bleiben und eine Tradition draus werden.” Er habe Jürgen Sandt bereits die Zusage gegeben, den Lauf im kommenden Jahr erneut zu unterstützen. “Der Sandt ist von Pontius zu Pilatus gelaufen - das ist nicht zu glauben, dass sich Leute so für andere engagieren.” Rühe lobt auch die Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen, die zum Gelingen beiträgt.
“Sechs Kilometer - Reißt Euch zusammen”, werden die Läufer an der Bückemühle angefeuert. Immer wieder hat Walter Büchner, der den Lauf mit Sandt und Dieter König initiiert hat, solche “Hinweise” auf die Straße geschrieben. “Scharf abbremsen” steht vor dem Ziel am Sportplatz Moorberg.
Fünf Minuten besser
Der für die TSG GutsMuths startende Mike Poch ist als erster ins Ziel gekommen. Mit 1:34:03 Stunden hat er seine Halbmarathon-Bestzeit aus dem Vorjahr um fünf Minuten verbessert. Auch seine Frau Astrid (”Ich habe mich in der Schule immer um das Laufen gedrückt”), hat sich um 20 Minuten verbessert. “Was das Beste ist? - Hinterher unter der Dusche zu stehen und es geschafft zu haben”, meint der Quedlinburger Helmut Krüger. Fast jeder, der ins Ziel kommt, sieht zufrieden aus. Karl-Heinz und Angelika Lohse aus Kreischa laufen Hand in Hand über den Zielstrich. Detlef Heinemann aus Quedlinburg zieht sein T-Shirt aus und küsst die Tartanbahn wie der Papst.
Kurz vor 13 Uhr kommt der Sieger des Ultramarathons ins Ziel. “Das ist ein Super-Landschaftslauf, ich komme wieder”, verspricht Karsten Schmidt aus Klein-Krams bei Ludwigslust. Erst um 17 Uhr sind die letzten Läufer aus Stiege im Ziel. Da sind Gerhard Sonntag, der Achter bei den Männern wurde, Lydia Langer, Dritte bei den Frauen, sowie Andreas Fuhrmann (30.) schon längst geduscht.
Quelle: MZ-Web.de


